Für die neue Saison hat sich der EHC Winterthur mit einem Mentalcoach zusammengetan. Andreas Baumgartner begleitet unsere Spieler während der kommenden Saison. Im Interview gibt er Einblick in seine Aufgabe.
Was ist die Aufgabe eines Mental Coaches?
Als Mental Coach unterstütze ich Athletinnen und Athleten dabei, ihr volles Potenzial unter Druck abrufen zu können – und zwar konstant. Das bedeutet, emotionale Stabilität zu entwickeln, Fokus zu halten, selbstbewusst zu bleiben und Rückschläge zu verarbeiten. Meine Aufgabe ist es nicht, Probleme zu therapieren, sondern Ressourcen zu stärken und mentale Fähigkeiten wie Konzentration, Zielklarheit und Resilienz gezielt zu trainieren. Ich bin natürlich schon auch da und unterstütze die Sportlerinnen und Sportler, wenn Probleme aufkommen oder sie gerade eine schwierige Zeit durchmachen. Beispielsweise bei einer Verletzung oder auch bei privaten Themen. Die fundierte, breit abgestützte Ausbildung und Erfahrung macht mir dieses Wirkungsfeld möglich.
Wie gehst du beim Coaching vor?
Ich arbeite ressourcen- und zielorientiert. Zu Beginn steht immer ein Gespräch zur Standortbestimmung. Wo stehst du, wo willst du hin, was brauchst du? Danach bauen wir gemeinsam ein Vorgehen auf. Im Fokus steht nicht prinzipiell die Schwäche, sondern der nächste Entwicklungsschritt. Ich kombiniere Coaching (Dialog, Reflexion, neue Lösungen entwickeln) mit Training (Tools, Wiederholung), damit aus Erkenntnissen auch Handlungen und Routinen werden.
Gibst du den Spielern spezifische «Tools» für die Saison mit auf den Weg?
Ja, unbedingt. Je nach Thema arbeite ich mit ganz konkreten Methoden. Zum Beispiel mit Routinen für Spieltage, Fokussierungstechniken, Strategien zur Fehlerverarbeitung oder Visualisierungen für Drucksituationen. Wichtig ist: Die Technik muss zum Menschen passen und nicht umgekehrt. Darum arbeite ich immer individuell angepasst.
Wie unterscheidet sich das Coaching vor und während der Saison?
Vor der Saison geht es mehr um Aufbau, Klarheit, Rollenverständnis und mentale Vorbereitung. In der Saison arbeiten wir stärker prozessbegleitend: Wie gehst du mit Erfolg und Rückschlägen um? Was brauchst du nach einem harten Spieltag? Der Fokus liegt dann stärker auf Integration und gezielter Steuerung von Energie, Erholung und mentalem Gleichgewicht.
Erfolgt das Coaching immer im Teamrahmen oder gibt es auch Einzelcoachings?
Beides. Manche Themen besprechen wir im Team oder in Fokusgruppen – beispielsweise Umgang mit Druck oder Zielsetzung. Gleichzeitig braucht es immer wieder den Einzelkontakt, da gewisse Entwicklungsschritte sehr individuell sind. Die Kombination macht es hier aus.
Hast du einen Bezug zum Eishockey?
Ja, absolut. Die magische Zeit des EHC Kloten in den 90ern und mein hockey-fanatischer Cousin haben meine frühe Jugendzeit geprägt und die Leidenschaft fürs Hockey entfacht. Umso mehr freut es mich, dass ich in meiner Tätigkeit als Mentaltrainer schon mehrfach mit Eishockeyspielern und Eishockeyspielerinnen – vom Nachwuchs bis zur NL – zusammenarbeiten durfte. Die Dynamik dieses Sports fasziniert mich besonders: körperlich fordernd, taktisch komplex und mental intensiv.
Was sind deine persönlichen Ansätze für ein positives Mindset?
Für mich beginnt ein positives Mindset mit einem realistischen Blick: Nicht alles wird leicht, aber ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe. Ich arbeite mit Prinzipien wie Fokus auf das Beeinflussbare, Lernen aus Erfahrungen und der bewussten Ausrichtung auf Stärken. Dankbarkeit, Demut und vor allem die Freude an der Herausforderung spielen für mich dabei die zentralen Rollen.
